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Neue Arbeitsmodelle: Welches ist für wen geeignet?

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Eltern probieren verschiedene Wege aus, um Familie und Arbeit zu vereinbaren. Sehr beliebt ist es, die Arbeitszeiten zu reduzieren und in Teilzeit zu arbeiten. Denn vor allem wenn die Kinder noch klein sind, finden es viele besonders wichtig, Zeit mit ihnen zu verbringen. Doch die Nachteile bei so einer Lösung sind nicht zu vernachlässigen: Mütter oder Väter, die weniger arbeiten, verdienen nicht nur weniger. Oft können sie an wichtigen Meetings nachmittags nicht teilnehmen oder erhalten nicht so spannende Projekte, weil dafür oft Arbeitnehmer in Vollzeit gewählt werden. Was bedeutet das für ihre Karriere?

Daher fragen immer mehr Eltern nach Alternativen. Neue Arbeitszeitmodelle werden interessanter. Es gibt aber auch andere Gründe, warum Angestellte temporär oder für längere Zeit weniger arbeiten möchten. Einige wollen Angehörige pflegen, andere wünschen sich eine Weltreise oder haben ein persönliches Projekt.

Bei vielen der neuen Arbeitszeitmodellen ist weniger arbeiten auch möglich ohne Kinder.

Hier wollen wir einen Überblick über die wichtigsten Modelle geben und die Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen aufzeigen. Dabei kannst du auch sehen, welches Modell für dich persönlich geeignet ist.

Welche sind die häufigsten, neuen Arbeitszeitmodelle?

Teilzeit in Elternzeit

Während der Elternzeit steht es dem Arbeitnehmer von Gesetz her zu, in Teilzeit zu arbeiten für bis zu 30 Stunden die Woche – pro Kind bis zu 36 Monate lang. Voraussetzung ist: 12 dieser 36 Monate müssen genommen werden bis das Kind 3 Jahre alt ist. Es ist möglich, die restliche Zeit bis zum achten Geburtstag zu nutzen. Die Teilzeit in Elternzeit kann in bis zu 3 Zeitabschnitte unterteilt werden.

Ein klassisches Beispiel ist also im ersten Lebensjahr des Kindes nicht zu arbeiten, dann 18 Monate in Teilzeit mit 20 Stunden die Woche und bei der oft turbulenten Einschulung des Kindes nochmals 6 Monate auf 20 Stunden die Woche zu reduzieren.

Zu beachten ist: Elternzeit ist nicht das gleiche wie Elterngeld. Elterngeld erhalten Alleinerziehende oder Ehepaare, wenn ein Elternteil zumindest 2 Monate in Elternzeit geht, für maximal 14 Monate. Die restliche Elternzeit von bis zu 36 Monaten ist also ohne Bezahlung.

Voraussetzung ist, dass du seit mehr als 6 Monaten tätig warst für das Unternehmen und es 15 oder mehr Mitarbeit hat.

Vorteile Teilzeit in Elternzeit:

  • Durch die gesetzliche Regelung ist es zumeist sehr einfach, Teilzeit während der Elternzeit zu beantragen. Der Arbeitgeber darf diesen Antrag nur in sehr dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Zudem ist es unkompliziert möglich, wieder auf eine Vollzeitstelle zu wechseln.
  • Viele Arbeitnehmer befürchten, später weniger Rente zu erhalten, wenn sie weniger verdienen. Da es für Kinder auch bis zu 3 Jahre zusätzliche Rentenpunkte gibt, ist die Lösung mit Teilzeit während Elternzeit für die meisten Angestellten auch eine gute Lösung, um später nicht weniger Geld zu erhalten.

Nachteile Teilzeit in Elternzeit:

  • Weniger Arbeit bedeutet weniger am Gehaltszettel. Manchmal ist das Verhältnis nicht 1:1, weil Arbeitnehmer überproportional mehr Einkommenssteuer bezahlen, je mehr sie verdienen. Doch für die meisten gilt es, erstmal mit viel weniger Geld auskommen zu müssen.
  • Manchmal werden wichtige Meetings auf den Nachmittag gelegt, wenn gerade der oder die Teilzeitarbeitende nicht da ist. Es kann auch vorkommen, dass sich mit Kindern die Termine während der Arbeitszeit häufen. Das Besprochene wird vielleicht nicht weitergegeben am nächsten Tag. Daher kann es passieren, dass Kollegen in Teilzeit nicht so oft bei wichtigen Projekten mitwirken.

Tipp: Selbstbewusst bei den Kollegen ansprechen, dass die wichtigsten Meetings auf den Vormittag gelegt werden sollten. Oft wird innerhalb des Teams einfach vergessen, dass jemand in Teilzeit arbeitet.

Für wen ist Teilzeit in Elternzeit geeignet?

Für Eltern ist diese Teilzeit die erste Wahl, denn die genießen hier viele Vorteile wie kürzere Fristen für den Antrag (8 Wochen bevor Elternzeit genommen wird in den ersten 3 Lebensjahren des Kindes), Kündigungsschutz oder dass der Antrag nur aus sehr dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt werden darf. Damit will der Gesetzgeber eine optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten.

Brückenteilzeit

Diese Regelung der Teilzeit gilt nicht nur für Familie mit Kindern! Auch kinderlosen Angestellten ist es möglich, die Arbeitszeit zeitlich befristet zu reduzieren.

Denn ab 1.1.2019 ist eine Brückenteilzeit denkbar, wenn gewissen Voraussetzungen eingehalten werden (Unternehmen mehr als 45 Mitarbeiter, mehr als 6 Monate Betriebszugehörigkeit). Danach ist eine Rückkehr zu einer Vollzeitstelle unproblematisch möglich.

Die Vor- und Nachteile sind ähnlich wie bei einer Teilzeitstelle in Elternzeit. Zu bedenken ist der zusätzlich Nachteil, dass es nur Rentenpunkte gibt für bis zu 3 Jahre pro Kind oder bis zu 24 Monate wenn du nahe Angehörige pflegst. Bleibst du für die Kinder länger zu Hause, bedeutet weniger Gehalt über eine längere Zeit gleichzeitig auch weniger Rentenpunkte später. Auch die Fristen für die Bekanntgabe der Brückenteilzeit sind länger. Einen Kündigungsschutz wie bei der Teilzeit in Elternzeit gibt es nicht.

Für wen ist die Brückenteilzeit geeignet?

Hast du keine Kinder, möchtest aber trotzdem weniger arbeiten oder ist dein Kontingent an Teilzeit in Elternzeit erschöpft, ist die Brückenteilzeit dem Teilzeitvertrag vorzuziehen. Du hast dann nämlich immer wieder die Möglichkeit, auf einen Vollzeitvertrag aufzustocken. Zu beachten ist: Viele Unternehmen haben weniger als 45 Mitarbeiter, dann ist nur ein herkömmlicher Teilzeitvertrag möglich.

Sabbatical

Viele Arbeitnehmer wünschen sich einige Wochen oder Monate Pause von dem stressigen Alltag. Vielleicht haben einige seit langem einen Traum, wie eine Weltreise. Andere haben ein zeitintensives Hobby wie Hochseeangeln oder möchten einen 8.000er besteigen. Manche wollen aber auch einfach nur eine Pause für sich zu Hause zum Nachdenken. Für diese Vorlieben ist ein Sabbatical perfekt.

Vorteile Sabbatical:

  • Unabhängig von Familiengründung lassen sich hier bewusst Freiräume schaffen für neue Ideen.
  • Für ein Sabbatical musst du deine Arbeitsstelle nicht kündigen – du bist einfach ein paar Wochen oder Monate weg und kommst ausgeruht wieder zurück.
  • Deine Kollegen müssen sich nicht auf teils komplizierte Regelungen für Arbeitsbeginn und -ende einlassen. Du bist ein paar Wochen oder Monate weg und kommst wieder mit deinem ursprünglichen Vertrag zurück.

Nachteile Sabbatical:

  • Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es nicht. Das muss mit dem Unternehmen ausgehandelt werden. Viele sind jedoch offen für so einen Vorschlag.
    Manche Unternehmen bieten sogar eigens Sabbatical-Programme an. Ein Beispiel ist: Über 4 Jahre 80% Gehalt, im fünften Jahr das Sabbatical mit 80% Lohnfortzahlung. Diese Programme sind meist vorzuziehen, denn sie bieten steuerliche Vorteile. (Überpropotional weniger Einkommenssteuer bei weniger Verdienst)
  • Ein Sabbatical muss man sich erstmal leisten können: Während der arbeitsfreien Zeit gibt es nämlich üblicherweise keine Entlohnung!

Tipps: Wenn du über 5 Jahre 20% deines Gehalts beiseite legen kannst, dann ist es möglich, ein Sabbatical über ein Jahr zu beantragen und von dem Ersparten zu leben. Falls du deine Wohnung oder dein Haus in der Zeit noch vermieten kannst, dann bleibt dir noch mehr. Achte auf jeden Fall auf eine richtige Auslandskrankenversicherung* und eine Privathaftpflicht, die auch im Ausland gilt.

Für wen ist ein Sabbatical geeignet?

Für ein Sabbatical ist es wichtig, diszipliniert zu sparen, vor allem wenn das eigene Unternehmen kein Programm anbietet. Da bevorzugen manche eher, mehr Freizeit im Alltag zu schaffen, anstatt eine einmalige Pause zu bekommen. Doch ist es jedenfalls eine schöne Möglichkeit für alle, die einen Traum verwirklichen, gleichzeitig jedoch eine gute Arbeitsstelle nicht aufgeben möchten.

Ein Sabbatical ist eher nicht geeignet für Menschen, die überlastet sind. Die Auszeit hilft nicht die Ursache zu ergründen und eine Lösung dafür zu finden. Nach dem Sabbatical bleibt ja zumeist alles beim Alten. In dem Fall müsste eher eine Therapie in Betracht gezogen werden.

Arbeiten von zu Hause (Home Office)

Manche Aufgaben im Büro lassen sich einfach und problemlos von zu Hause aus erledigen. Vor allem, wenn keine Arbeit im Team notwendig ist, können viele in Ruhe zu Hause richtig viel erledigen. Doch ist diese Arbeitsform für alle geeignet?

Vorteile Home Office:

  • Die Vorteile sind klar beim Arbeitsweg zu sehen. Im Schnitt pendeln Deutsche bis zu 16,7 km zur Arbeit und die Zahl der Pendler nimmt immer weiter zu. Was für eine Erleichterung, wenn diese Zeit produktiv genutzt werden kann!
  • Ausgaben für die Einrichtung des Arbeitszimmers lassen sich oft unkompliziert von der Steuer absetzen.

Nachteile Home Office:

  • Die Versicherungslage ist teilweise unklar. Es ist im Interesse des Versicherten, wenn ein Unfall während der Arbeitszeit im Home Office der Unfallversicherung des Unternehmens (Berufsgenossenschaft) zugeordnet wird und nicht der eigenen gesetzlichen Unfallversicherung, da die Entschädigungen großzügiger sind. Unter gewissen Voraussetzungen werden jedoch Unfälle im Home-Office nicht von der Berufsgenossenschaft abgedeckt. Das kommt auf die Situation an, bei der der Unfall passiert ist.
  • Eventuelle Störungen der Arbeit von Kindern oder dem Haushalt, der erledigt werden will, lassen sich nicht ganz ausschließen.
  • Schnelles Internet und einen optimalen Arbeitsplatz gibt es oft nur direkt am Arbeitsplatz.
  • Manche Arbeitnehmer erhalten nicht die wichtigen Informationen, die am Flur oder beim Mittagessen mit den Kollegen ausgetauscht werden.

Tipp: Es sinnvoll, stetig Kontakt zu Vorgesetzten und Kollegen zu halten, um über wichtiges informiert zu werden bzw. an neuen Projekten teilhaben zu können. Lieber öfter mal über den Tag verteilt anrufen, chatten oder eine E-Mail schreiben. Das stärkt auch das Teamgefühl und ist mit den neuen Kommunikationsmitteln gut umsetzbar.

Zumeist ist es auch keine gute Idee, die Kinder während des Home-Office gleichzeitig alleine zu betreuen. Doch kann es für die Work-Life-Balance sehr zuträglich sein, an manchen Tagen auch von zu Hause arbeiten, wenn hier dringend Hilfe benötigt wird oder wenn ein Handwerker kommen muss.

Vielleicht lässt sich deinen Job ja so aufteilen, sodass du arbeiten, die gut zu Hause erledigt werden können, wie E-Mails beantworten, auf diesen einen Home-Office Tag in der Woche legst. An den übrigen Tagen im Büro können Meetings gehalten und Projekte im Team besprochen werden.

Für wen ist Arbeiten von zu Hause geeignet?

Arbeiten von zu Hause ist vor allem für Angestellte geeignet, die sich sehr gut selbst motivieren können. Jemand, der schnell abgelenkt ist von den täglichen Aufgaben im Haushalt wird beim Home Office nicht glücklich werden. Die Arbeitsaufgaben lassen sich einfach nicht effektiv genug erledigen.

Auch ist das Home Office für Angestellte super, die gut alleine arbeiten können und den Austausch im Team nicht unbedingt brauchen, um produktiv zu sein.

Job Sharing

Beim Job Sharing teilen sich zumeist zwei Kollegen eine Arbeitsstelle. Üblich ist eine Teilung zu 50% – 50%. Es gibt aber auch Modelle Richtung 60% – 40% oder sogar 60% – 60%, wenn die Arbeitsstelle mehr Arbeit erfordert, als üblicherweise von einer Person abgedeckt werden kann. Die Jobsharing Partner können zumeist selbstbestimmt festlegen, wann wer arbeitet. So ist eine Aufteilung nach Tagen oder sogar Stunden möglich.

Vorteile Job Sharing:

  • Familie und Beruf lassen sich bei dieser Option unproblematisch vereinbaren. Durch das selbstbestimmte Festlegen der Arbeitszeiten ist das wunderbar möglich.
  • Da zumindest ein Jobsharing-Partner bei wichtigen Meetings und Projekten anwesend ist, geht keine Information verloren.
  • Es macht vielen Arbeitnehmern Spaß und spornt an, so eng in einem Tandem zu arbeiten. Gemeinsame Erfolge können gefeiert, für Niederlagen gemeinsam eine Lösung gesucht werden.
  • Bei Urlauben oder Krankheiten ist zumindest ein Kollege für Rückfragen da.

Nachteile Job Sharing:

  • Der Aufwand, jeden Arbeitsschritt abzustimmen kann erheblich sein. Die Kollegen müssen dafür einfach mehr Zeit einplanen, um sich nach allen wichtigen Ereignissen auf dem Laufenden zu halten.
  • Oft ist dieses Arbeitsmodell gewöhnungsbedürftig für Kollegen, die nicht in einem Job Sharing Modell arbeiten. Sie fragen sich vielleicht: „Wen genau soll ich jetzt für mein Anliegen anschreiben? Muss ich jetzt alles nochmal erzählen?“

Tipp: Es hat sich bei Job Sharern bewährt, von Anfang klar zu kommunizieren, wer was übernimmt. Dabei hilft es, eine gemeinsame E-Mail Adresse einzurichten und mit einem Kalender zu arbeiten.

Für wen ist Job Sharing geeignet?

Job Sharing ist für alle geeignet, die gerne kommunizieren und im Team arbeiten. Job Sharing ist nichts für Einzelkämpfer, sondern für Arbeitnehmer, die Spaß haben das Ziel gemeinsam zu erreichen. Denn hier ist es besonders schwierig, den Erfolg eines Projektes oder einer abgeschlossenen Arbeit auf eine Person zurückzuführen. Es darf einem nicht zu mühsam erscheinen, jedes Detail mit dem Job Sharing Kollegen zu besprechen. Denn das Modell lebt davon, dass die Job Sharing Partner als eine Person wahrgenommen werden. Niemand hat Lust darauf, immer wieder alles neu zu erklären.


In welchem Arbeitszeitmodell arbeitest du gerade? Was sind eine Erfahrungen damit?

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