Eltern mit kleinen Kind am Strand

Warum wir mit Kleinkindern dieses Jahr Urlaub in der Region machen

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Für viele Menschen bedeuten Fernreisen ein großes Glück. Neue Länder und Kulturen öffnen Horizonte, das gemäßigte Klima und die viele Sonne tun der Seele gut. Doch haben Reisen wirklich für alle diesen Stellenwert?

Mit den kleinen Kindern haben sich unsere Urlaube grundlegend verändert. Vielleicht wird es in ein paar Jahren, wenn die Kinder größer sind, einfacher sein. Und bestimmt fühlen nicht alle Familien mit Kleinkindern so – viele freuen sich schon Monate davor auf das Ereignis. Das ist ja auch großartig so und dann genau richtig für die Familie.

Doch derzeit denken wir, dass auch für unsere – wie gesagt – sehr kleinen Kinder ein Urlaub weit weg nicht das großartige Erlebnis ist, das er eigentlich sein sollte und wir haben uns bewusst entschieden, nicht zu verreisen. Natürlich haben auch wir die wunderbar entspannten Bilder gesehen von Familien, die ohne viel Krimskrams auf Weltreise gehen. Das ist sehr bewundernswert. Doch irgendwie funktioniert das gerade nicht für uns. Warum?

Unsere 7 Gründe, warum wir dieses Jahr nicht in Urlaub fliegen:

  1. Vor der Reise und beim Einpacken gibt es viel zu beachten. Oft ist auch die Zeit knapp, um den Flug zu erreichen und die Kleinen müssen schon sehr angetrieben werden. Etwas, was in der Kita schon sehr häufig machen müssen.

  2. Die Anreise per Flugzeug ist nicht entspannt. Die Bahn ist stets unserer erste Wahl bei Kleinkindern. Sitzen wir mal im Zug, ist es das für uns beste Fortbewegungsmittel. Zu bedenken ist jedoch: mit den zahlreichen Verspätungen ist die Anreise auch nicht stressfrei. Vor allem, wenn wir einmal umsteigen müssen.

    Aufgrund der starren Regeln mit Sitzordnung und dem Anschnallen im Flugzeug aber wird es mit unseren Kindern nicht leicht.

  3. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere kleinen Kinder, wie viele andere auch, einen Blick haben für Details, die verzaubern. Einmal liegt ein Stock am Wegesrand, den mein Sohn unbedingt mitnehmen möchte. Oder meine Tochter freut sich riesig, eine Katze zu streicheln, die sich an sie schmiegt. Diese Freude könnte kaum größer sein, wenn sie einen Vulkan auf Island sehen würde.

  4. Das soziale Netzwerk aus engen Verwandten, Nachbarn, Freunden und Babysittern fällt aus am Urlaubsort. Wenn die Eltern also krank werden während des Urlaubs, gibt es keine Möglichkeit, die Kinder zu versorgen. Der Fall, das beide Elternteile zu krank sind, um sich um die Kinder zu kümmern, ist zugegebenermaßen unrealistisch. Allein der Gedanke funktionieren zu müssen, stresst uns jedoch unterbewusst.

  5. Auch wenn Pauschalreisen oder klug zusammengestellte Individualreisen immer günstiger werden – ein Sommerurlaub für die Familie mit Anreise kostet zumeist € 2.000. Der durchschnittliche Netto-Arbeitsverdienst in Deutschland beträgt ca. 18 Euro pro Stunde. (Schätzung bei 3.700 brutto im Monat, zwei Kindern, 38-Stunden Woche). Für diesen Urlaub müssten also die meisten immerhin noch 111 Stunden oder 14 volle Tage arbeiten. Eventuell ist es für viele sinnvoller, beim Arbeitgeber um 3 Wochen unbezahlten Urlaub zu bitten und diese Tage entspannt zu Hause verbringen.

  6. Sehr oft ist die Kinderbetreuung am Urlaubsort grandios: Die Kinder haben Spaß und die Eltern können sich erholen. Nicht jedem Kind liegt es aber, in einem fremden Umfeld von noch Unbekannten betreut zu werden. Vielleicht ist eine Eingewöhnung notwendig, bevor sich manches Kind vollends darauf einlässt.

  7. Rund um unseren Wohnort gibt es Burgen, Kindermuseen, Bauernhöfe und Abenteuerspielplätze, wo unsere Kleinen ihren Entdeckungsdrang ausleben können. Das erweitert den Horizont. Wenn sie als Kinder (und wir als Eltern) offen auf Menschen anderer Nationen zugehen, und das auch zurückkommt, lernen sie hier in Deutschland die Welt aus einem anderen Blickwinkel kennen.

Vielleicht kennt ihr das Gefühl nach einem Urlaub: „Ach, zu Hause ist es doch so schön.“ Dann ist es tatsächlich das nächste Mal eine gute Idee, einen Urlaub in der Region zu planen. Der Urlaub auf Balkonien oder in Deutschland bietet schließlich sehr viele Vorteile, ganz ohne Verzicht. Wenn euch aber das Fernweh plagt, dann nichts wie ab wie raus!

Wohin geht es bei euch in den Urlaub dieses Jahr?

7 Kommentare

  1. Hallo Eva, deine Beiträge sind immer wieder spannend zu lesen. Wir sind seit mittlerweile 4,5 Jahren Eltern und kennen das beschriebene zu gut. Auf der anderen Seite gibt es im Urlaub immer wieder diese faszinierenden Momente mit deinen Kindern, wo Du Dich als Elternteil fragst: Warum hast Du Dir eigentlich Sorgen gemacht? Unsere Kinder – die weiß Gott absolut KEINE guten Schläfer sind – gewöhnen sich so schnell an andere Räumlichkeiten und finden es immer wieder spannend auch mal andere Haushalte, Küchen, Gärten und Landschaften zu erkunden. Inklusive den erweiterten Familienurlauben mit Oma, Opa, Tante, Onkel und der Cousine und Cousin sind wir mit Sicherheit 4 Mal im Jahr unterwegs. Im Jahr 2019 waren wir z. B. mit dem Auto in Kroatien. Werde dazu noch ein Bericht auf meinem Blog http://www.maenner.rocks schreiben. Und Ja: Ich persönlich möchte es definitiv nicht missen. 🙂

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    1. Absolut, vielen Dank für dein Kommentar. Da bin ich bei dir, Reisen kann auch manchmal richtig schön sein. Für uns haben wir bewusst entschieden, dass wir dieses Jahr verzichten. Schön, dass das jedoch für euch so gut klappt.

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  2. Viele der Argumente würde ich selbst auch anführen, teilweise aus rückblickenden Erfahrungen mit unseren damals noch kleinen Kindern, für die wir allein schon wegen der Grosselternbesuche per Auto, Flugzeug und Bahn verschiedene Varianten ausprobiert haben, eine davon – aktuell wegen der Sturmsituation nachvollziehbar – stundenlang wegen Sturmgefahren mitten auf der Strecke 5 Stunden stehengeblieben und immernoch 5 Stunden Fahrt voraus, auf der es wegen der nicht mehr passenden Bahnlogistik keine Getränke und auch kein Frühstück hab, so dass die mitgeführten Vorräte nicht ausreichten.

    Am besten gefällt mir aber der 4. Punkt, „dass unsere kleinen Kinder, wie viele andere auch, einen Blick haben für Details, die verzaubern“.
    Das sind Momente, für die kleine Kinder gerade bei Urlaub in gut organisierten Hotelanlagen mit Kinderprogramm durch viel zu viel Action selten erlebbar bleiben.

    Das getaktete Kinderleben mit Kita, Kindergarten oder Schule und geregelten Freizeitaktivitäten unterscheidet sich kaum noch vom Arbeitsleben Erwachsener, inklusive Lärmpegel, Sozialdruck und Unfreiheit im Tageslauf.
    Sie brauchen nicht dasselbe nochmal, nur an anderem Ort, sondern auch Gelegenheit, Selbstbesinnung zu erfahren.
    Die Fähigkeiten, entspannt ihr persönliches Dasein in der Welt kennenzulernen und sich als eigene, selbstbestimmte Persönlichkeit zu erleben, entwickeln kleine Kinder nur dann, wenn sie auch Gelegenheit und Freiheit dazu bekommen.
    Es bedeutet nicht Freiheit, wenn sie sich zwischen Unterhaltungs- oder Essens-Angeboten entscheiden dürfen / müssen, sondern dass sie sich bewegen können, wann sie wollen, dass sie ihre Erlebniswelt in ihrem Tempo erschliessen können, und vor allem, dass es ihre Eltern und Geschwister sind, mit denen sie ihre Erlebnisse teilen können, nicht irgendwer anderes.

    Abgesehen davon, dass man seinen Kindern vermitteln sollte, dass die selbstgeschaffenen Erlebnisse wertvoller sind als die gekauften. in ihrem Leben wird das noch wichtiger werden, als die heutigen Erwachsenen es sich vorstellen möchten.

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  3. Ich finde es lustig, dass du genau den Vulkan auf Island erwähnt hast. Wir wohnen auf Island und das Thema Urlaub kam zwischen mir und meinem Partner in letzter Zeit häufig auf. Er würde gerne ins Warme, ich finde es viel zu teuer und viel zu wenig Entspannung im Gegenzug für das sauer verdiente Geld. Man betreut seine Kinder eben einfach in einem anderen Setting als zu Hause und dazu auch noch die anstrengende Reise. Wenn sie so klein sind, erinnern sie sich später nicht mal an den Urlaub. Mir reichen schon die Besuche in Deutschland, die auch nicht wirklich Urlaub sind, sondern eine andere Art von Arbeit. Familie und Bekannte zu besuchen ist für mich nicht mit Urlaub gleichzusetzen. Meist beinhaltet dies ja verschiedene Termine, die zwar locker erscheinen, es aber nicht immer sind (man denke da nur an Essen mit Verwandten, die sich darüber wundern, dass Kinder nicht stundenlang am Tisch stillsitzen). Wenn Island nicht so klein wäre und mir hier nicht so oft die Decke auf den Kopf fallen würde, würde ich auch hier bleiben. Mir geht es natürlich beim Reisen nach Deutschland vorallem darum meinen Kindern die Deutsche Kultur näher zu bringen und ja mein Heimweh zu stillen. Generell sehe ich es aber ähnlich. Urlaub mit kleinen Kindern, ist anstrengend, teuer und es gibt andere Alternativen. Ausserdem ist es ja ironisch, dass man um den Kleinen die Welt zu zeigen, gerade diese zerstört. Was natürlich weniger bei einem kleinen Zelt und Fahrradurlaub vor der eigenen Haustür passiert… aber da habt ihr in Deutschland einfach viel mehr Möglichkeiten.

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    1. Was für ein Zufall mit Island. DIe Insel ist wunderwunderschön. Doch ich kann mir vorstellen, dass einem die Decke auf den Kopf fallen könnte. Vielen Dank für dein Kommentar, das dem Ganzen noch viele Aspekte hinzugefügt hat.

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